Martin Röck

Martin Röck

„Ich will Politik und Praxis fit machen für das 21. Jahrhundert“

Was ist Deine persönliche Motivation, dich für Habitat 2030 zu engagieren?

Ich beschäftige mich nun seit 15 Jahren mit digitalen Planungsprozessen, nachhaltigem Bauen und lebenszyklusbasierter Ökobilanzierung. Leider wird Digitalisierung oft primär eingesetzt, um Produktivität zu steigern und Kosten zu senken, um noch schneller zu planen, um noch schneller bauen zu können. Mir wurde bald klar: Das allein kann es doch nicht sein! Wo ja ausgerechnet Errichtung und Betrieb von Gebäuden zu den relevantesten Aspekten in der Klimakrise zählen. Ich bin davon überzeugt, dass man die Dynamiken der Digitalisierung nutzen muss, um vor allem auch soziale und ökologische Qualitäten zu verbessern. Und die Praxis engagierter Akteure zeigt zunehmend: Das geht!

Wie genau sieht Dein persönlicher Beitrag aus?

Einer meiner Forschungsschwerpunkte ist die Arbeit an der Schnittstelle von Science-to-Policy. Das heißt: Ich führe explorative Studien und angewandte Auftragsforschung zur Dekarbonisierung im Bausektor durch, meist für politische Akteure, oft direkt für die Europäische Kommission. Ich entwickle Metriken, Methoden und Modelle, die eine umfassende Lebenszyklus-Perspektive auf Treibausgase-Emissionen und andere Umweltwirkungen ermöglichen, ich begleite Gesetzgebungsprozesse zur Reduktion von Treibhausgase-Emissionen und berate bei der Entwicklung neuer Regularien und konkreter Zielwerte. Die Herausforderung von globaler Klimagerechtigkeit innerhalb der planetaren Grenzen wird dabei immer komplexer, denn wir müssen nicht nur die Emissionen des Bausektors in Österreich und auf europäischer Ebene reduzieren, auch die Lieferketten und Wechselwirkungen zwischen lokalen und globalen Umweltauswirkungen werden immer vielschichtiger. Daher braucht es eine engagierte und aktive Wissenschaft, die dabei unterstützt, die Politik und die Praxis des Bausektors fit zu machen für das 21. Jahrhundert.

Wie lautet Dein Best-Case-Szenario bis 2030?

Ein großer Erfolg wäre, wenn es uns gelänge, bis 2030 den Gebäude-Lebenszyklus und die Lieferketten endlich umfassend und ganzheitlich zu denken, klare und unmissverständliche Richtwerte festzusetzen und auf nationaler und europäischer Ebene entsprechende Berichts- und Konformitätspflichten zu verankern. Die Pi-mal-Daumen-Regel lautet: Radikale Reduktion der Treibhausgas-Emissionen mit dem Ziel, sie mit jeder Dekade zumindest zu halbieren. Mit einem starken Netzwerk wie Habitat 2030 können essenzielle Schritte in diese Richtung gelingen!