Isabella Stickler

Isabella Stickler

„Das Pilotprojekt von heute muss zum Standard von morgen werden“

Warum engagierst Du dich für Habitat 2030?

Weil es mir so wichtig ist, das, was ich tue, auf die Zukunft auszurichten. Wir als Wohnbaubranche – und auch wir als Alpenland – haben in der Vergangenheit, um ehrlich zu sein, diverse Fehler in der Projektentwicklung gemacht. Nun geht es darum, für die nächsten Generationen die Anzahl und die Tragweite der Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Ich habe einen 15-jährigen Sohn. Er soll die Möglichkeit haben, eine genauso schöne Zukunft zu haben, wie ich sie hatte.

Wie leicht ist es, Fehler prophylaktisch zu vermeiden?

Als gemeinnütziger Bauträger ist es unsere zentrale Verantwortung, leistbaren Wohnraum für eine große Zahl von – auch – einkommensschwächeren Menschen zur Verfügung zu stellen. Diese wirtschaftliche Herausforderung – eh schon schwierig genug – mit einem Plus an sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, das ist nicht immer leicht. Das ist ein Spannungsbogen, der uns zugegebenermaßen nicht immer gelingt. Ohne einen eigenen Fördertopf werden Klimaneutralität und ökologische Zukunftsgerechtigkeit langfristig nicht zu stemmen sein.

Mehr als 90 Prozent aller geförderten Wohnbauten in Ostösterreich bestehen aus Stahlbeton und fossiler Wärmedämmung.

Ja, das ist leider ein Faktum. Was die Baustoffe und Bauweisen betrifft, haben wir bis heute noch immer keine Kostenwahrheit erzielt. Mithilfe von Habitat 2030 und einer entsprechend mitziehenden Politik könnte es uns gelingen, eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung zu erzielen. Das wäre ein wichtiger Hebel für die Zukunft.

Wofür möchtest Du dich besonders stark machen?

Im Neubau haben wir schon viel erreicht, in der Bestandsbewirtschaftung allerdings stecken wir noch in den Kinderschuhen. Ich möchte mich dafür engagieren, in Etappen eine professionelle, zukunftsfitte Sanierungskultur alter Bestandsgebäude aufzubauen. Und: Wir müssen weg von 08/15-Gebrauchsarchitektur. Wir müssen es schaffen, dass das Pilotprojekt von heute zum Standard von morgen wird. Das ist mein Ziel.